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Über Rene Dettweiler

Die Kolumne

Im Rahmenprogramm der Sylvester Lyell Weltmeisterschaft Ende Januar verlor Rene' Dettweiler gegen seinen Kontrahenten Edmund Gerber nach 47 Sekunden der zweiten Runde durch TKO.
Mit dem überraschend klaren Ende dürfte auch die Laufbahn des zweifachen Familienvaters vor dem Aus stehen, der Vertrag mit Sauerland wurde jedenfalls inzwischen aufgelöst.

In der Wirtschaft würde man in diesem Fall von einer Abwicklung sprechen. Dieser Begriff fällt oft auch im Zusammenhang mit dem geordneten Einstellen eines zu liquidierenden Unternehmens. Der Betrieb ist umgangssprachlich am Ende und wird abgewickelt. Oft genug kommt es zu medienwirksamen Kundgebungen für die vor dem Aus stehende Firma. Die Sympathie Bekundungen der Fans dürften sich bei der Abwicklung des Profiboxers Rene' Dettweiler dagegen in Grenzen halten. Im Gegenteil, die Freude über die entscheidende Niederlage konnte man im Internet deutlich herauslesen. Darüber hinaus hatten einige von den Dettweiler Kritikern schon Sorge, die Abbruchniederlage ihres Anti Helden nie sehen zu können, weil bei der ARD Live-Übertragung am Ende die Zusammenfassung aller Kämpfe ausblieb. Später war der Fight doch noch in den Weiten des World Wide Web anzusehen. Vielen war Dettweiler zu langweilig oder unauffällig.

Dies setzt sich beim Blick in die Rekorddatenbank von boxrec.com fort, dort lassen sich zunächst keine Auffälligkeiten feststellen. Debüt gegen Frank Böhme, Siege gegen Journeymen, einzigen Titelkampf nach Punkten verloren. Zwei der letzten fünf 8 Runden Duelle verloren. Keine spektakulären Namen, alles absolut unauffällig. Aber halt. Ist es nicht gerade das, was in der heutigen Zeit besonders heraus sticht. Die Unauffälligkeit? Auffällig unauffällig?

Ist es nicht schon totale Ironie, dass sich ein Boxer keinen Inter-Continental, International,Youth, East/Western oder Mediterrane Gürtel umschnallen darf? Nicht einmal als Interim Meister? In Zeiten, in denen bei den Einstufungskriterien die zur Teilnahme an Meisterschaftskämpfen berechtigen unglaubliche Purzelbäume geschlagen werden? Wenn man sich das Alter einiger Protagonisten bei Juniorenmeisterschaften ansieht, hätte der 26jährige Dettweiler in Anbetracht krasser Ausnahmen hier noch locker rein gepasst.

Und auch Dettweilers Siege über Ondrej Pala oder das Karriere Highlight gegen Gbenga Oloukun fallen kaum ins Auge. Dabei war insbesondere der Kampf gegen Oloukun ein Key-Fight. Dieser hatte zuvor Ex-Weltmeister Lamon Brewster völlig überraschend ausgepunktet und galt für viele Beobachter auch in dem Duell gegen Dettweiler als Favorit. Das Ergebnis, verdienter Punktsieger Dettweiler, war in dieser Situation spektakulär, der Kampf war es nicht. Unauffällig, wie passend.

Unauffällig auch die Bereitschaft des Ramin Schützlings Stallduelle anzunehmen und nicht wieder abzusagen. Unauffällig auch der Charakterzug, nicht öffentlich über seinen früheren Coach Manfred Wolke her zuziehen, obwohl der mit seinem Boxstil bei jüngeren Fans völlig unten durch ist und kleine Seitenhiebe in diese Richtung schnell mal ein paar Bonuspunkte hätten bringen können. Überhaupt ist Dettweiler auch bei seinem ganzen Auftreten wohlerzogen, oder wie weniger konservative Leute sagen würden, einfach in Ordnung. Absolut unauffällig in Zeiten, in denen Titelverteidigungen schon mal in der Kneipe wahrgenommen werden, oder öffentliche Auftritte einiger Kollegen eher in die Kategorie Fehltritte eingestuft werden können. Nicht die Welt des Rene' Dettweiler.

Nach dem Oloukun Sieg war Rene' Dettweiler mit der Ranglistenposition Nummer 7 der Januar WBO-Weltrangliste und Nummer 15 des WBA- Rantings einer der möglichen Herausforderer von WBO/IBF/IBA Champion Wladimir Klitschko oder WBA Titelträger David Haye. Und konnte kurze Zeit träumen. Von der Chance seines Lebens. Aber Dettweiler giftete nicht, um sich auffällig für ein Duell gegen Klitschko oder Haye ins Gespräch zu bringen, obwohl er laut Statuten der WBO und WBA ein qualifizierter WM Herausforderer gewesen wäre.

Schwergewichtsboxer Rene' Dettweiler erkämpfte sich für kurze Zeit die Nummer 7 der WBO Weltrangliste und die Nummer 15 im WBA Rating. Nicht mehr und nicht weniger. Nicht schlecht für einen völlig unauffälligen Berufsboxer, den viele sowieso nicht auf der Rechnung hatten.



zurückIngo Barrabas, 14.02.2010

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