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Die Marke Universum

Die Kolumne

Es ist noch keine Ewigkeit her, da war die Welt für mich klar gegliedert. Die einfache Gleichung lautete: Puma oder Adidas, Pelikan oder Geha, BMW oder Mercedes, Explorer oder Navigator, Universum oder Sauerland. Das waren die Marken, und entweder man liebte oder hasste sie. Dazwischen gab es für mich nichts.

Seit 1984 belebte der Hamburger Kaufmann Klaus-Peter Kohl mit seiner Universum Box-Promotion die Szene, und lieferte sich ein Kopf an Kopf Rennen mit seinem größten Wettbewerber Wilfried Sauerland, der 1978 seine Veranstalter Karriere begann.

Erfolgreich agierten beide Promoter, nur die Wege waren bekanntlich höchst unterschiedlich. Sauerland setzte mit wenigen Boxern wie Graciano Rocchigiani, Henry Maske, Axel Schulz und Sven Ottke Maßstäbe. Kohl baute dagegen auf Regina Halmich, Dariusz Michalczewski, Wladimir und Vitali Klitschko, Zsolt Erdei und Arthur Grigorjan und hatte damit ebenfalls den richtigen Riecher. Die Fans bevorzugten die jeweiligen Visionen ihres Favoriten, Vergleiche aber hinkten durch eine völlig unterschiedliche Geschäftsausrichtung. Der eine hatte mal die höhere Einschaltquote, der andere dagegen die höhere Anzahl Weltmeister. Den Fans war es gleich. Beide Marken polarisierten, Gut gegen Böse, das war lange Zeit Gesetz.

Klaus-Peter Kohl hat nach eigenen Angaben in dem letzten Vierteljahrhundert 270 Veranstaltungen mit über 2.100 Kämpfen, darunter rund 200 Weltmeisterschaften der bedeutenden Weltverbände durchgeführt. Im Jahr 2002 kürte "The Ring" das Hamburger Unternehmen Universum als weltweit erfolgreichstes Box-Business, Kohl wurde im April 2003 von den amerikanischen Boxjournalisten zum "Manager des Jahres" gewählt. „Boxing is our Passion“ wirbt Universum auf ihrer Internetpräsenz. Wohl nicht ganz unbegründet: Klaus-Peter Kohl machte Regina Halmich zur „Quoten Queen“, veranstalte Mega-Events mit dem Tiger, den Klitschkos und Luan Krasniqi. Kohl wurde von seinen Anhängern bewundert, von seinen Gegnern gefürchtet, zumindest aber respektiert. Auch der Generationswechsel, in vielen Unternehmen ein Knackpunkt in der Firmenhistorie, schien durch den Eintritt von Schwiegersohn Dietmar Poszwa erfolgreich vollzogen.

Schnee von gestern. Die Welt hat sich verändert. Es reicht nicht mehr nur eine Marke zu sein. Die Marke muss sich jeden Tag neu erfinden und ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen. Kohl, der die nationale und internationale Box-Szene in nicht unerheblichem Ausmaß prägte, hat in der jüngsten Vergangenheit Federn lassen müssen. Key-Fights gingen verloren, vermeintliche Stars von morgen verschwanden in der Versenkung oder wurden gar nicht erst aufgebaut. Etablierte Meister wendeten sich ab. Es kann nicht nur Pech alleine gewesen sein, dass nun die Höchststrafe droht: Hohn und Spott. Als Universum im vergangenen Jahr einen Tag der offenen Tür durchführte, schrieb der User Totto in Sportforen.de: „Die sollten nur nicht vergessen, die Tür wieder zuzumachen, bevor noch mehr Profis weglaufen“. Andere Kritiker reagierten auf die vielen Kündigungen der letzten Zeit mit dem hämischen Entwurf eines Handzettels, zu verteilen im Universum Gym. Darauf hätten die Boxer nur Kreuzchen setzen müssen, diverse Gründe, Vorgehensweisen bei Umsetzung und Auswahl an Anwälten waren vorgegeben, zwecks schnellerer Abwicklung.

Dass der ein oder andere Angestellte Wechselabsichten hegt, dürfte nicht nur bei der Firma Universum der Fall sein, aber wie dem Box-Unternehmen die Mitarbeiter in den letzten Wochen davon laufen, ist kaum zu glauben. Kämpfe werden angesagt, einen Tag später aber durch die Kündigung eines der Protagonisten torpediert. Selbst bei erfolgreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen in diesen Dingen ist der Universum Pressesprecher in der jetzigen Situation wirklich nicht zu beneiden. Dazu kommt noch die Verurteilung von Jürgen Brähmer. Eine schlimmere Form der Außendarstellung scheint kaum möglich. Nun soll sich nach FAZ Berichten auch der Fernsehsender ZDF zurückziehen. Laut FAZ ist die Entscheidung endgültig: Es gibt kein ZDF-Boxen mehr mit Universum über den Sommer hinaus. Dem Lebenswerk von Klaus-Peter Kohl droht ohne finanzkräftigen Zahlsender über kurz oder lang das Aus, schreibt Hartmut Scherzer. „Ich bin kreativ und habe zwei fernsehgerechte Konzepte. Bis April Mai werden wir wissen, wie und wo es langgeht“ wird Klaus-Peter Kohl zitiert. Im deutschen Box-Forum wird weiter über den drohenden Untergang des Hamburger Unternehmens diskutiert. Die von dem User BriscoCountyJr aufgestellte These bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Universum brauchte eine Reform, keinen Ruin.“

Man kann Mitleid bekommen, was aus der Marke Universum geworden ist.



zurückIngo Barrabas, 17.01.2010

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