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Interview mit Jürgen Brähmer

Vor dem Fight gegen Averlant

Jürgen Brähmer (Foto: Marianne Müller)Jürgen Brähmer (Foto: Marianne Müller)

Jürgen Brähmer (39-2, 30 K.o.´s) mag es riskant! Am 27. April trifft der 34-jährige Ex-Weltmeister in der Sporthalle Hamburg auf Tony Averlant (18-7-2, 4 K.o.´s). Gegen den unbequemen Franzosen setzt der Schützling von Trainer Karsten Röwer neben den im Februar gewonnenen EM-Gürtel auch die Position als WM-Pflichtherausforderer aufs Spiel. Dass der Kampf gegen Averlant kein Spaziergang wird, ist dem Deutschen durchaus bewusst. Denn der 29-jährige Herausforderer hatte zuvor bereits die Boxkarriere des früheren Röwer-Schützlings Artur Hein beendet und auch Eduard Gutknecht im letzten Jahr das Leben schwer gemacht. Im Interview erklärt der Europameister, warum er gegen seinen Gegner auf der Hut sein muss und was ihn antreibt, sein WM-Pflichtherausforderungsrecht zu riskieren.

Herr Brähmer, es ist viel über Ihren letzten Kampf am 2. Februar gegen Eduard Gutknecht gesagt worden. Am Ende konnten Sie sich mit einem einstimmigen Punktsieg durchsetzen. Inzwischen hatten Sie eine Menge Zeit, um die Geschehnisse zu reflektieren. Was ist Ihrer Meinung nach in Berlin gut gelaufen und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
Jürgen Brähmer: Ich bin natürlich über den Verlauf und mit dem Ausgang des Kampfes sehr zufrieden. Wenn man, so wie ich, eine längere Zeit nicht im Ring gestanden hat und dann gleich auf einen Gegner mit Weltklasse-Niveau trifft und dann auch noch gewinnt, kann man das nur positiv sehen. Natürlich hat der Abend aber auch Aspekte offengelegt, die ich noch verbessern muss. Ich habe mich sehr schwer damit getan, meine Konzentration über den kompletten Kampf hinweg aufrecht zu halten. Das hat man gegen Ende dann auch gemerkt. In diesem Bereich gilt es im Training zu arbeiten und solche Gegebenheiten abzustellen.

Durch den Sieg haben Sie sich nicht nur den Titel des Europameisters im Halbschwergewicht gesichert, sondern auch die Position des WBO-Pflichtherausforderers. Den WM-Gürtel der World Boxing Organization trugen Sie einst selbst. Wie groß war die Freude, dass Sie in naher Zukunft die Chance erhalten werden, sich Ihren „alten“ Gürtel zurückzuholen?
Jürgen Brähmer: Die Freude ist natürlich enorm groß. Als ich bei Sauerland Event unterschrieben habe, war es aber auch das Ziel, wieder Weltmeister zu werden. Deshalb boxe ich. Daher habe ich ja auch den Kampf mit Gutknecht angenommen. Das war der schnellste, aber auch der schwerste Weg, um wieder an die Weltspitze zu gelangen. Es war ein hohes Risiko, aber es hat funktioniert. Umso mehr muss ich gegen Averlant aufpassen, diese Position nicht zu gefährden.

Dennoch steigen Sie am 27. April in den Ring und setzen den EM-Titel sowie den WM-Pflichtherausforderer-Status aufs Spiel - und das gegen einen Mann, der schon so einigen Kontrahenten ein Bein gestellt hat. Woher kommt die Motivation, dieses Risiko gegen Tony Averlant einzugehen?
Jürgen Brähmer: Wenn man selbst auf höchstem Niveau boxen will, muss man sich jeglicher Herausforderung stellen. Da ist es egal, wie unbequem ein Gegner ist. Am Ende muss ich jeden schlagen, um Weltmeister zu werden. Deswegen scheue ich mich auch nicht, meinen Titel aufs Spiel zu setzen. Schließlich benötige ich solche Gegner, um noch besser zu werden.

Sie haben bereits erwähnt, dass Averlant unbequem ist. Der Franzose ist in Deutschland kein Unbekannter. Er hat bereits gegen Ihren letzten Gegner, Eduard Gutknecht, im Ring gestanden und damals nur umstritten verloren. Haben Sie den Kampf damals gesehen? Wenn ja, was denken Sie über den Kampfverlauf?
Jürgen Brähmer: Ich persönlich glaube, dass es ein ganz enges Ding war. Man hätte sich auch nicht beschweren dürfen, wenn das Urteil anders ausgefallen wäre. Solche Kämpfe gibt es eben. Averlant hat in dem Fight typisch französische Attribute zeigen können. Er war konditionell und physisch unheimlich stark. Dazu konnte er das Tempo über die kompletten zwölf Runden hoch halten.

Ihr Coach Karsten Röwer hat bereits Erfahrung aus erster Hand mit dem Franzosen machen dürfen. Averlant beendete die Karriere von Artur Hein, einem früheren Schützling Ihres Trainers. Wie hilfreich sind diese Erfahrungswerte? Fließen diese in das tägliche Training mit ein?
Jürgen Brähmer: Karsten Röwer weiß ganz genau um die Stärken von Averlant. Er hat ihm ja in zwei Kämpfen mit Hein gegenübergestanden. Seine Erfahrung hilft uns dementsprechend sehr. Man muss aber auch ganz deutlich sagen, dass ich ein ganz anderes Kaliber als Artur Hein bin. Averlant ist sich dem auch bewusst und somit wird seine Vorbereitung sicherlich noch intensiver sein. Er geht mit einer anderen Einstellung an die Sache heran. Wir versuchen einfach, seine Stärken und Schwächen im Sparring und bei der Pratzenarbeit zu simulieren.

Worauf achten Sie bei Averlant denn ganz besonders? Was für Stärken und Schwächen haben Sie bei ihm ausmachen können? Wo sehen Sie Ihre eigenen Stärken?
Jürgen Brähmer: Tony Averlant ist konditionell hervorragend ausgebildet und kann über einen kompletten Kampfverlauf ein hohes Tempo gehen. Ich werde mir daher keine Pausen erlauben können. Ich selbst will meine Schnelligkeit und Schlagkraft nutzen.

In seinem letzten Kampf musste Tony Averlant eine Niederlage hinnehmen. Haben Sie diesen Kampf gesehen und wie bewerten Sie diesen?
Jürgen Brähmer: Ich habe den Kampf gegen Mounir Toumi leider nicht gesehen. Allerdings habe ich gehört, dass sich Averlant gleich zu Beginn die Hand gebrochen hat und fast über die komplette Distanz mehr oder weniger einarmig boxen musste. Das lässt diese Niederlage natürlich in einem ganz anderen Licht erscheinen und hat somit keine Aussagekraft über seine Leistung. Wenn überhaupt zeigt das nur, was für einen unglaublichen Willen er besitzt, weil er unter diesen Umständen bis zum Ende durchgehalten hat.

Wie lautet Ihre persönliche Prognose für den 27. April?
Jürgen Brähmer: Ich habe noch nie eine Prognose abgegeben und werde dies auch jetzt nicht tun. Klar ist, dass ich diesen Kampf gewinnen will, um den EM-Titel zu behalten - aber auch, um die Chance auf die WBO-Weltmeisterschaft zu waren.

zurückIngo Barrabas, 17.04.2013

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