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Interview mit Ulli Wegner

Vor dem Duell Gutknecht vs. Brähmer

Ulli Wegner (Foto: SE)Ulli Wegner (Foto: SE)

Ulli Wegner hat schon viele große Erfolge mit seinen Boxern gefeiert. Aktuell trainiert der 70-Jährige vier Weltmeister – so viele, wie nie zuvor. Mit Eduard Gutknecht (24-1, 9 K.o.´s) steht zudem schon sein nächster Schützling in den Startlöchern, um ganz oben anzugreifen. Dazu muss der Europameister im Halbschwergewicht am 2. Februar (ab 22.30 Uhr live im Ersten) in der Berliner Max-Schmeling-Halle im deutsch-deutschen Duell allerdings den Schweriner Jürgen Brähmer (38-2, 30 K.o.´s) besiegen. Dass der zehnfache „Trainer des Jahres“ auf die Stärken seines Schützlings setzt und wie er den Herausforderer und dessen Coach Karsten Röwer einschätzt, darüber spricht er im Interview.

Herr Wegner, am 2. Februar will Ihr Schützling Eduard Gutknecht gegen Jürgen Brähmer nicht nur seinen EM-Titel verteidigen, sondern sich auch für eine WM-Chance empfehlen. Ist er dafür bereit?
Ulli Wegner: Sicher ist es sein Ziel, das zu schaffen. Ich sehe ihn auf einem guten Weg. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass Brähmer einen ungeheuren Erfahrungsschatz als ehemaliger Weltmeister mitbringt. Mein Junge hat von der boxerischen Qualität auf jeden Fall die Chance, diesen Kampf siegreich zu gestalten und darüber hinaus noch mehr zu erreichen.

Ist die Vorbereitung Gutknechts bisher so verlaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ulli Wegner: Eduard ist mit dem Herz voll und ganz dabei. Er hat sich im Sparring bisher sehr gut aus der Affäre gezogen und in den Leistungstests Top-Ergebnisse erreicht. Man muss sehen, was der Kampftag bringt. Entscheidend ist auf diesem Level ja zumeist die Psyche des Sportlers. Training ist die eine Sache – was man im Kampf tatsächlich davon abrufen kann, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ich sehe dem aber sehr gelassen entgegen.

Eduard Gutknecht ist ja nicht nur im Ring, sondern auch im Vorlesungssaal aktiv. Ist er daher noch besonders lernfähig, was den Sport angeht?
Ulli Wegner: Das ist schon ein intelligenter Bursche. Er hat an seinen Beruf gedacht, hat eine abgeschlossene Ausbildung als Industriemechaniker, wurde dann ‚Technischer Fachwirt’ und studiert jetzt auch noch Gesundheitsmanagement. Genau mit dieser Einstellung geht er auch ans Boxen heran. Er versucht ständig, sich unter meiner Führung zu verbessern.

Brähmer gilt als schlagstarker Rechtsausleger – was macht ihn außerdem gefährlich. Wo liegen seine Stärken?
Ulli Wegner: Ich kann nicht viel zu seinen Stärken sagen. Wir haben uns zwar ein paar Kämpfe von ihm angeschaut, aber die sind nicht mehr aussagekräftig. Brähmer ist zwar kein schlechter Mann, aber in meinen Augen keine Weltspitze mehr. Eduard hingegen hat sein vollständiges Potenzial noch nicht ausgeschöpft und bewegt sich dahin, wo Brähmer einmal war.

Gutknecht und Brähmer kennen sich schon ewig. Beide waren gute Amateure und haben oft auch im Profilager für das gleiche Team gekämpft. Gibt es da überhaupt Dinge, mit denen einer den anderen überraschen kann?
Ulli Wegner: Hier kommt es nicht auf Überraschungen an, sondern auf das, was beide im Ring von ihren Fähigkeiten zeigen können. Ich weiß, was mein Mann kann und glaube an den Erfolg. Viele sehen ja Brähmer vorn, aber dem kann ich aus meiner Sicht nicht zustimmen.

Mit 34 Jahren ist Brähmer nicht mehr der Jüngste und vier Jahre älter als Gutknecht. Zudem bestritt er schon so manche ‚Materialschlacht’. Könnte dieser Umstand am 2. Februar entscheidend sein?
Ulli Wegner: Das glaube ich nicht. Eher hat Brähmer einen kleinen Vorteil durch seine größere Erfahrung in Titelkämpfen, aber das wird auch nicht von großer Bedeutung sein. Er wurde ja einst als ‚Jahrhunderttalent’ angepriesen. Solche Leute habe ich auch schon trainiert. Doch meistens ist gerade aus denen nie etwas geworden.

In der gegenüberliegenden Ecke steht mit Karsten Röwer ein Trainerkollege aus dem Sauerland-Team. Dieser ist 20 Jahre jünger als Sie. Ist der Kampf dadurch auch für Sie eine besondere Herausforderung?
Ulli Wegner: Nein, überhaupt nicht. Ich habe schon genug erlebt, da habe ich doch keine Angst vor einem Trainer-Duell. Man muss das mal so sehen: Ich habe viele Jungen groß gemacht, die zuvor kaum Erfahrung bei den Amateuren gesammelt haben – da fehlte jede Menge in Sachen Disziplin, Taktik und Technik. Diese habe ich geformt und sie zu Champions gemacht. Karsten Röwer hat bei sich viele Top-Amateure, aber kann bisher mit Ausnahme von Sebastian Sylvester keine großen Titel vorweisen. Bevor ich in Rente gehe, möchte ich erstmal ein paar Weltmeister in seinen Reihen sehen – dann können wir von einer Herausforderung sprechen.

Welchen Verlauf wird der Kampf am 2. Februar nehmen?
Ulli Wegner: Das wird für alle sehr spannend – Publikum, Trainer und natürlich die Boxer im Ring. Ich glaube an Eduard und seine Fähigkeiten. Solange er das zeigt, was er kann und es gerecht zugeht, siegen wir. Dann werden wir schon bald um die Weltmeisterschaft boxen.

zurückIngo Barrabas, 23.01.2013

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