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Umfrage

Ergebnisstand der aktuellen Umfrage:


Joshua vorzeitig
[ 7 Stimmen (38.89%)]

Joshua nach Punkten
[ 7 Stimmen (38.89%)]

Das Duell endet Unentschieden
[ 1 Stimme (5.56%)]

Fury vorzeitig
[ 2 Stimmen (11.11%)]

Fury nach Punkten
[ 1 Stimme (5.56%)]


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Über Oktay Urkal

Das Portrait

Oktay Urkal (Foto: Urkal Blackbird Production)Oktay Urkal (Foto: Urkal Blackbird Production)

Dank der Titelinflation können sich viele zurückgetretene Boxer die Bezeichnung Ex-Weltmeister auf die Visitenkarte drucken lassen. Ein Funktionär sagte in diesem Zusammenhang einmal spöttisch, jeder der das nicht könne, müsse sich schämen. Für seine Leistungen oder das Management. Das mag oft zutreffen. Im Falle von Oktay Urkal ist aber eher das Gegenteil richtig. Der Berliner ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch in der heutigen Zeit nicht lautstark um Anerkennung buhlen und zwingend einen WM Titel in seinem Lebenslauf benötigt, um von Fans respektiert zu werden. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, die Niederlagen haben Urkal zu einem Sieger gemacht.  "Cassius" wie Urkal sich nannte, gab in WM Kämpfen gegen Kostya Tsyu, Vivian Harris und Miguel Cotto alles, doch es reichte am Ende nicht. Die Fans wissen die Leistungen des Technikers aber sehr wohl zu schätzen, auch wenn unter dem Strich kein WM Titel heraussprang.

Eine besondere Beziehung verband den 1970 als Sohn türkischer Einwanderer geborenen Urkal dabei mit Ulli Wegner. Erst bei den Amateuren, später bei den Profis. Aufmerksam wurde Urkal auf den späteren Sauerland Coach, als der noch in der DDR arbeitete. „Immer wieder habe ich mich bei den Boxern aus der DDR erkundigt, wer der beste Trainer dort ist. Es fiel ganz oft der Name Ulli Wegner.“ sagt Urkal, der 1992 die Deutsche Staatsangehörigkeit erhielt, rückblickend. Er war der erste Boxer, der nach der Wende im Osten trainierte. Einige Tage nach dem Mauerfall stand er schon in der Trainingshalle bei Ulli Wegner. „Als West Berliner durfte ich vor der Maueröffnung nicht einmal beim Training zusehen“, erklärt Urkal. Sein größter Erfolg bei den Amateuren war der Gewinn der Silbermedaille im Halb-Weltergewicht bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta.

Kurze Zeit später wechselte der Berliner zu den Profis und unterschrieb bei der Universum Box-Promotion einen Vertrag. Dort arbeitete er mit Fritz Sdunek „und war dort gut aufgehoben“. Nach dem üblichen Aufbau mit einem internationalen Titel der WBC wurde Urkal 2000 Europameister im Halb-Weltergewicht. Den EM Titel verteidigte er zwei Mal erfolgreich, ehe er im Juni 2001 die Chance bekam Weltmeister Kostya Tszyu herauszufordern. Der WBC und WBA Super Champion brach dem Herausforderer in dem Duell den Kiefer, doch Urkal schaffte es bis zum letzten Gong das Gefecht offen zu gestalten. Nach zwölf Runden verlor er knapp nach Punkten. „Der härteste Gegner meiner Laufbahn. Ich unterlag gegen einen Weltklasse-Boxer und ich habe eine gute Leistung gezeigt. Darauf bin ich stolz“, sagt Urkal rückblickend.

Einige Monate später wechselte er von Universum zu Sauerland. Es passt ins Bild, dass hier keine spektakuläre Gründe dahintersteckten: „Der Vertrag lief aus, das Angebot von Sauerland passte“. So einfach kann es manchmal sein. Bei dem Berliner Team arbeitete er wieder mit Ulli Wegner zusammen. Und wurde 2002 zum zweiten Mal Europameister. Und wieder diente dieser Titel als Sprungbrett. Nach drei erfolgreichen Titelverteidigungen kletterte er im April 2004 gegen WBA Weltmeister Vivian Harris in den Ring. Obwohl Urkal im dritten Durchgang zu Boden musste, lieferte er dem Champion einen harten Kampf. Auch sein zweiter WM Anlauf endete aber am Ende mit einer knappen Punktniederlage. „Über das Urteil bin ich noch heute enttäuscht. Ein Sieg für mich wäre keine Ungerechtigkeit gewesen“, meint er aufgewühlt. Den Rückkampf gegen Harris verlor Urkal einige Monate später vorzeitig in der elften Runde, weil er körperlich einfach nicht in Bestform war, wie er offen zugibt.

Nach diesem herben Rückschlag dachte Urkal kurz an einen Rücktritt. Abgesichert war er, die Börsen hatte Urkal zusammengehalten. Doch Trainer Wegner überredete ihn zum Weitermachen. Und er wurde im Mai 2005 zum dritten Mal Europameister, dieses Mal im Weltergewicht. Gutes Geld verdiente Urkal auch damit, dass er zwei Mal auf sein Recht als Pflichtherausforderer verzichtete. „Ich war nicht mehr ganz so hungrig und bekam ohne zu kämpfen viel Geld. Wir betreiben den Boxsport schließlich um Geld zu verdienen. Ich hätte es auch ein drittes Mal gemacht“. Doch dann kam im März 2007 der WM Kampf gegen Miguel Cotto. Viele Fans hätten Urkal einen Erfolg gegönnt, ein User brachte es im Internet auf den Punkt: „Es gab in den letzten Jahren in Deutschland nicht viele Boxer die Weltklasse Format und Weltklasse Leistungen gezeigt haben. Er hätte es mehr als verdient, nochmal eine große Bühne zu bekommen und gebührend gefeiert zu werden. Für mich würde damit einer der größten deutschen Boxer und ein absolut sympathischer Sportler mit Riesen Herz seine Karriere beenden und das muss doch einfach mehr Wert sein, als eine Randnotiz“. Doch ein Sieg war Urkal nicht vergönnt, der damals noch unbesiegte Star aus Puerto Rico war einfach zu stark. In der elften Runde warf Ulli Wegner das Handtuch. „Cotto war mir körperlich zu überlegen“, resümiert Urkal.

Nach dieser Niederlage trat er endgültig zurück. Auch den Übergang in den Box-Ruhestand hat er bisher gut und unspektakulär gemeistert. Urkal arbeitet heute in Hamburg und ist Trainer bei der EC-Boxpromotion von Erol Ceylan. Und wird von den Fans weiter respektiert. Ganz ohne WM Titel auf der Visitenkarte. 

Alles Gute, Oktay Urkal.

zurückIngo Barrabas, 27.12.2012

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