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Der Phantom-Weltmeister Gene Pukall

Das Portrait

Gene Pukall (Foto: Pukall)Gene Pukall (Foto: Pukall)

Es gibt etliche Arten von Weltmeistern. Den Super-Weltmeister, den Interim-Weltmeister, ganz zu schweigen von dem regulären Weltmeister. Auch den Verlegenheits-Weltmeister hat es schon gegeben. Dank der Rekord-Datenbank boxrec.com ist eine neue Gattung hinzugekommen. Der Phantom-Weltmeister. Schwergewichtler Gene Pukall gehört seit kurzer Zeit in diese Kategorie, denn den Gewinn der WBU Krone gegen Ingo Jäde im März 2011 ignoriert boxrec.com schlichtweg. Das Duell ist als normaler zwölf Runden Fight ausgewiesen, einen Hinweis auf einen WM Kampf sucht man vergebens.

Damit ist die illustre Laufbahn von Pukall um ein Kapitel reicher. Alles fing schon beim ersten Kampf an. Pukall unterlag Danny Oleksy, was nicht vielen Leuten passierte, die gegen den Rechtsausleger in den Ring stiegen. Immerhin, der Rückkampf endete Unentschieden. Ein weiteres Kuriosum: Mit einem negativen Rekord durfte Pukall im Januar 2004 um die vakante Weltmeisterschaft nach Version WBB boxen. Co-Herausforderer Andreas Sidon stoppte ihn in der zehnten Runde. Doch Pukall wird doch noch Weltmeister. Gegen Frank Böhme gewann er im November 2004 die WAA Krone und verteidigte diesen Titel im Frühjahr 2005 erfolgreich. Im November 2005 kam es zu dem Kuriosum, dass sich mit Andreas Sidon als WBB und Gene Pukall als WAA Champion zwei amtierende Weltmeister im Ring gegenüberstanden, aber um die Deutsche Meisterschaft geboxt wurde. Obwohl also zwei Titelträger von Weltehren im hessischen Bibertal gegeneinander antraten, ging es nur um die nationale Meisterschaft von Sidon. Pukall verlor in der 9. Runde vorzeitig. Sidon behielt den Gürtel des BDB. Nach einer Erstrunden Niederlage gegen Rene' Dettweiler wurde Pukall später auch noch IBU Europameister und verteidigte den WAA WM Gürtel mehrmals erfolgreich, zuletzt im September 2010 gegen Roy Meissner.

Obwohl er oft vorzeitig unterlag, hat er eine ehrenvolle Punktniederlage in der Bilanz. Im Dezember 2008 boxte der Berliner im Rahmenprogramm der Klitschko Rahman WM gegen Riddick Bowe und verlor am Ende der acht Runden zwar knapp, aber einstimmig nach Punkten. Ein Niederschlag in den hinteren Runden gab den Ausschlag. In seinem letzten Kampf machte Pukall wieder auf sich aufmerksam. Anfang März siegte er gegen im zweiten Duell gegen Ingo Jäde und gewann den vakanten WBU Titel. Damit sicherte sich Pukall seinen dritten WM Gürtel und eine Schlagzeile in der Berliner Morgenpost: „Der Mann, der Max Schmeling überholt hat“ schrieb das Blatt nicht ganz ernst gemeint. In der Tat, denn wohl nur Statistik verliebte Fans werden Pukall als legitimen Nachfolger von Schmeling bezeichnen. Doch möglicherweise hilft der Gewinn des WBU Titels dem 36-Jährigen weit über seine treue Fan-Gemeinde hinaus bekannt zu werden. Denn auf den frisch errungenen Gürtel sind auch andere Boxer scharf. Das erhöht bekanntlich den Marktwert. So ist eine Titelverteidigung gegen Riddick Bowe im Gespräch. Was für eine Ansetzung. Pukall, schon im ersten Duell nicht chancenlos, dürfte gegen den seit zwei Jahren inaktiven Bowe sogar als leichter Favorit gelten. Und mit einem Sieg international Beachtung finden.

Es würde zur Laufbahn des kultigen Berufsboxers Gene Pukall passen, wenn er ausgerechnet einen Phantom-Titel versilbern könnte.

Anmerkung: Wer einen schönen Überblick über die Verbände und Beteiligungen deutscher Boxer haben möchte, ist auf der Seite von Andy Meyer andworldboxing.com richtig.

zurückIngo Barrabas, 20.03.2011

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