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Über Azize Nimani

Das Portrait

Azize Nimani (Foto: Eintracht Berlin)Azize Nimani (Foto: Eintracht Berlin)

Oft genug wird bei Verhandlungen über die Privatnutzung von Dienstfahrzeug um ein kleines, aber wichtiges Detail gerungen. Viele Fahrer bestehen auf einem neutralen Wagen. Ihre Argumentation dürfte klar sein, sie möchten sich unauffällig bewegen. Aber auch die Arbeitgeber legen manchmal Wert auf ein Auto, das keine Rückschlüsse auf die Firma zulässt. Die Liste der Gründe ist vielfältig. Spontan wird einem die Fahrweise von manchen Vielfahrern präsent sein, die so nicht mehr mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden kann. Hätte die Amateur-Boxerin Azize Nimani einen neutralen Firmenwagen gefahren, diese Geschichte nie geschrieben worden. In ihrem Fall bewahrheitete sich das, was Verfechter von Dienstwagen mit Firmenaufschrift immer predigen: Die Unternehmung wird in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen.

Es war ein Samstag vor einigen Wochen, als der Betreiber einer Box-Page in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg mit seiner Familie zum Einkaufen fuhr, und vor einem Wohnhaus aus den Augenwinkeln heraus den Schriftzug „Eintracht“ in Verbindung mit einem großen roten Boxhandschuh auf einem Auto wahrnahm, was ihn spontan an die Dienstwagen-Flotte von Eintracht Berlin erinnerte. Der Fahrer wollte es genau wissen. Er drehte um. Tatsächlich stellte sich das Fahrzeug als Firmenwagen von dem Berliner Boxclub heraus. Das Interesse, wen es aus dem Berliner Großstadtdschungel in die Kleinstadt im nördlichen Schwarzwald verschlagen hatte, war groß – und schnell geklärt. Der Wagen wird von der Amateurboxerin Azize Nimani bewegt. Die Berlinerin besuchte an dem besagten Wochenende ihre Schwester, die im Schwabenland wohnt.

Der Werdegang von Nimani ist ungewöhnlich. Sie spielte für Arminia Bielefeld in der Zweiten Liga Fußball und wechselte dann zum Boxen. Dort will sie nun richtig durchstarten. Aber der Reihe nach: Azize Nimani stammt aus dem Ort Mitrovica im Kosovo, der zu Bürgerkriegszeiten in Trümmern lag. Mit sechs Jahren wurde sie mit zwei ihrer Schwestern im Auto über die Grenze geschmuggelt. Der Vater war schon nach Deutschland geflüchtet, der Rest der Familie kam später in Etappen nach. Azize wuchs dann in Bielefeld auf, erlangte den Hauptschulabschluss und spielte bei der Arminia in der Zweiten Liga. „Beim Boxen brauchst du mehr Kondition. Beim Fußball kannst du den Ball abgeben, wann du willst. Aber beim Boxen kannst du die Handschuhe nicht ausziehen." sagt sie rückblickend.

Im Sommer 2008 bewarb sich Namini zusammen mit ihrem Bruder bei dem Boxclub Eintracht Berlin, den Harald Lange, früher Jugendboxer und Trainer beim SC Traktor Schwerin, gegründet hatte. Der Unternehmer baute vor vielen Jahren mit viel persönlichem Einsatz das Projekt „Boxen statt Gewalt“ auf. In den Brennpunktbezirken Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen hat er Hallen errichtet, über 200 Mitglieder boxen derzeit in dem Verein. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit gelang es Lange mehrere Sponsoren zu akquirieren, so u.a. die Wohnungsbaugesellschaft Howoge und Box-Veranstalter Wilfried Sauerland. Immer wieder ermöglicht er Sportlern die Chance als Gebäudereiniger, Landschaftsgärtner oder Hausmeister zu arbeiten - bei sich oder Partnerfirmen. Nun schmiedet Lange große Pläne mit Nimani: "Wir wollen eine Erfolgsstory machen. Einen langfristigen Aufbau Richtung Olympia. Das Mädchen aus den Trümmern von Mitrovica soll eine Botschafterin des Friedens werden", so Harald Lange. Bei ihr erkannte er sofort das Talent. "Ich dachte, ich seh' nicht richtig. Sie ist ein Rohdiamant." Nimani erzählt: "Er hat zu mir gesagt: Mädchen, ich lass dich hier nicht mehr weg." Er bot ihr ein neues Leben an, vermittelte ihr eine Wohnung in Friedrichshain. Nun konnte sie sich voll auf das Boxen konzentrieren, trainierte fünf Mal die Woche, zweimal am Tag. Lange trainierte mit ihr vier Wochen die Grundkenntnisse. Dann wurde Nimani Deutsche Jugendmeisterin. Und wurde als beste Technikerin des Turniers ausgezeichnet. Das eigentliche Kunststück daran: Sie kämpfte in den Boxstiefeln ihres Bruder und hatte zudem eine verletzte Schulter.

Ab dem Sommer 2009 arbeitete Nimani mit Torsten Schmitz, dem früheren Profitrainer von Regina Halmich, Luan Krasniqi oder Weltmeister Robert Stieglitz, den er immer noch betreut. Der sportliche Erfolg ging weiter. Erneut wurde Nimani Deutsche Meisterin und später folgte der Gewinn bei den Asien-Meisterschaften in Kasachstan. Vor einigen Wochen war Nimani eine der Teilnehmerinnen bei der Frauen Box-Weltmeisterschaft auf Barbados. Dort verlor die 19-Jährige Bantamgewichtlerin gegen die spätere Championesse Hye Song Kim aus Nordkorea. In der ersten Runde agierte die Eintracht Boxerin sehr konzentriert, doch dann holte die Asiatin auf und gewann am Ende nach Punkten. Es war die erste Niederlage überhaupt, die Azize im Boxen hinnehmen musste. Ab dem nächsten Jahr wird sie in die Sport-Förderungsgruppe der Bundeswehr aufgenommen. Ihr ganz großes Ziel ist die Olympia Teilnahme 2012. Bekanntlich wurde das Frauenboxen mittlerweile ins olympische Programm aufgenommen. „Wir wollen mit zwei Damen bei Olympia starten“ so Harald Lange. „Eine davon ist Azize“. Überhaupt verstärkt er sein Engagement im Frauenboxen. „Wir haben hier ein großes Potenzial, das muss nur geweckt werden. Das sehr viel Arbeit investiert werden muss, versteht sich von selbst. Ich bin überzeugt, wir setzen die richtigen Prioritäten.“

Die setzt er aber nicht nur im sportlichen Bereich. Denn ohne die richtige Marketing-Strategie beim Umgang mit den Dienstautos, hätte es diese Geschichte nicht gegeben. Es lohnt sich also manchmal doch, auf einen neutralen Firmenwagen zu verzichten. Denn die mit Logo und Namen versehenen Exemplare dieser Art können leicht zugeordnet werden. So wie vor einigen Wochen in einer Kleinstadt im Nordschwarzwald geschehen.

zurückIngo Barrabas, 22.11.2010

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