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Umfrage

Ergebnisstand der aktuellen Umfrage:


Joshua vorzeitig
[ 7 Stimmen (38.89%)]

Joshua nach Punkten
[ 7 Stimmen (38.89%)]

Das Duell endet Unentschieden
[ 1 Stimme (5.56%)]

Fury vorzeitig
[ 2 Stimmen (11.11%)]

Fury nach Punkten
[ 1 Stimme (5.56%)]


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Über Cutmen

Eine Geschichte über die Sekundanten

Cutman Olaf Schröder bei der Arbeit (Foto: Fight Production)Cutman Olaf Schröder bei der Arbeit (Foto: Fight Production)

Immer dort wo viele Menschen zusammenkommen ist was los. Personen, die regelmäßig den Nahverkehr nutzen, können ein Lied davon singen. Aber auch im Flugzeug lohnt es sich nach der Landung genauer hinzusehen. Manche Leute sind nervös, blicken zur Uhr und schauen regelmäßig auf ihre Bordkarten, wohl in Sorge den nächsten Flieger nicht zu bekommen. Andere Typen bleiben völlig gelassen, sie nicken mit Kopf zu den Rhythmen, die der I-Pod hergibt. Einige Passagiere springen nach dem Erreichen der Parkposition von ihren Sitzen auf, in unglaublicher Eile wird die PIN Nummer in das Mobiltelefon gehämmert und danach werden Kurznachrichten oder E-Mails verschickt. Andere Reisende rufen noch im Gang das Büro an, spätestens bei der Passkontrolle ist der Außenstehende bestens über den Geschäftsvorgang informiert. Alles oft genug erlebt, wird der Vielflieger sagen. Spinner, Wichtigtuer eben.

Aber in welche Kategorie passt der Mann, der mit einem Plastikeimer Richtung Ausgang marschiert? Möglicherweise handelt es sich hier um einen Cutman, der einfach nur auf Nummer Sicher gehen will und grundsätzlich seinen eigenen Plastikeimer mit zu den Einsätzen nimmt. Verrückt? Aber wahr. Der im Jahr 2004 verstorbene Dennie Mancini war so ein Kandidat. Lange Zeit arbeitete er für den Sauerland Stall, von vielen Experten wurde er als einer der besten – wenn nicht der Beste – seiner Zunft bezeichnet. Er selber sah es pragmatisch: „Du guckst dir gute Gepflogenheiten von guten Leuten ab. Und du darfst nie denken, du wüsstest schon alles“ war eines seiner legendären Zitate.

Was im Grunde für alle Berufsschichten gelten sollte; für Cutmen hat es eine besondere Bedeutung. Die Schnellbehandlung einer Wunde und die psychologische Arbeit in der Ecke, lernt man nicht an einer Universität. Die allermeisten Sekundanten sind eher zufällig oder zwangsweise zu einem Cutman geworden. Der Werdegang vieler Cutmen ähnelt sich in verblüffend vielen Punkten, auch in der Einstellung zur Tätigkeit ist kaum ein Unterschied feststellbar. Überhaupt handelt es sich bei den Cutmen um besondere Typen. Viele respektieren ihre Kollegen, Kritik an deren Arbeit kommt ihnen nicht über die Lippen. „Ich weiß nicht, wie es mit meiner Arbeitsweise ausgesehen hätte“ ist ein viel gehörtes Zitat in diesem Zusammenhang. Umso erstaunlicher, da es sich bei den Kollegen um Konkurrenz handelt. Blauäugig sind sie dennoch nicht. Eine gehörige Portion Misstrauen dürfte dafür verantwortlich sein, dass die Cutmen überhaupt als solche in der Ecke arbeiten.

„In meiner Anfangsphase ging es als junger Trainer ins Ausland. Sollte ich mich dort auf den einheimischen Mann verlassen?“ meint zum Beispiel Detlef Loritz vom Koblenzer FLP Team. „Vertrauen ist gut, aber noch besser ist es die Kontrolle über alles zu haben“. Das noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, räumen alle befragten Sekundanten offen ein. „Man hat halt mal angefangen, ähnlich wie ein Vier-Runden-Boxer ohne viel Amateurerfahrung“ so Olaf Schröder von Fight Production. Gulio Spagnoli, der beim Sauerland Team zusammen mit Malcom Garrett arbeitet, pflichtet bei: „Am Anfang hat man leichte Verletzungen unter Kontrolle, bei tiefen Wunden oder mehreren Cuts fehlt einfach die Übersicht. Da macht man zwangsläufig Fehler“. Also heißt es für die Cutmen sich weiterzubilden. Immer und immer wieder neue Cremes ausprobieren und Techniken zu überprüfen. Das geht am besten beim Blick auf die Konkurrenz. Die guten Sekundanten beobachten die Arbeitsabläufe ihrer Kollegen genau: „Auch wenn man nicht alles übernehmen kann, jede Kleinigkeit kann wichtig sein. Und den betreuten Boxer im Zweifelsfall vor einer Niederlage bewahren“ meint Schröder. In der Tat. Wie oft musste schon ein Boxer wegen einer nicht zu schließenden Wunde aus dem Gefecht genommen werden. „Oft ist auch Glück dabei. Wenn ein Blutgefäß getroffen ist, dürften auch die besten Kniffe nichts nützen“, sagt Enno Werle, der Cutman vom SES Team.

Denn die Hilfsmittel der Cutmen sind begrenzt. Plastikeimer, Eisbeutel, Vaseline, Wasserflasche, Schwamm, mit weicher Baumwolle umwickelte  Swopsticks , im Slang kurz "Swops" genannt, und Wundcreme Adrenaline in der vorgeschriebenen Mischung 1:1000, sind nicht gerade Dinge, mit denen man sich bei einem Arzt behandeln lassen möchte. In der Rundenpause hilft das individuelle Handling mit dem Equipment die Verletzungen zu versorgen. Jeder Cutmen hat seine eigenen Tipps und Tricks. Aber nicht nur die Arbeit im Ring ist wichtig. „Im Vorfeld des Kampfes kann die Haut mit Cremes richtig weich und geschmeidig gemacht werden. Das minimiert die Gefahr von Cuts. Da muss man halt viel probieren, auch mal auf eine neue Babycreme zurückgreifen“ erläutert Werle. Überhaupt ist die Vorbereitung das A und O. Dazu gehört auch, alle benötigten Utensilien parat zu haben. Wer Eisbeutel erst in der Halle organisiert, hat sich als guter Sekundant verabschiedet.

Von großer Bedeutung ist die besonnene Arbeit unter einem großen Zeitdruck. Die Pause von eine Minute kann schon verdammt kurz sein – und kampfentscheidend... „Wer die Nerven verliert, hat schon verloren“ sagt FLP Chef Loritz. „Du musst den Druck ausblenden können, die Arbeit jederzeit unter Kontrolle haben. Die Boxer merken genau, was abläuft. Also musst du ihnen während der Arbeit noch das Gefühl vermitteln, alles im Griff zu haben“ erklärt Sauerland Cutman Spagnoli. Es soll schon vorgekommen sein, dass in ausufernden Ringschlachten plötzlich der Cutman die Funktion des Antreibers übernommen hat, weil dem Trainer die strategische Linie völlig abhanden gekommen ist. Oft werden die Cutmen aber gar nicht wahrgenommen. „Wir sind wie eine Versicherung", sagte Dennie Mancini einmal. "Wenn es ohne Zwischenfälle abgelaufen ist, ist deine Arbeit sofort vergessen. Aber in diesen bestimmten Situationen steht und fällt alles damit, was du ausrichten kannst.“ Es ist schon eine besondere Spezies, die sich mit Plastikeimer in ein Flugzeug setzt. Aber eine immens wichtige. Das unterscheidet viele Cutmen von den Leuten, die nach der Landung lautstark am Handy nach der Sekretärin verlangen. Aber das werden die Vielflieger sicher wissen.

zurückIngo Barrabas, 05.10.2010

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