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Über Cruisergewichtler Enad Licina

Das Portrait

Enad Licina (Foto: Marianne Müller)Enad Licina (Foto: Marianne Müller)

Eine Geschichte über Enad Licina beginnt man am besten mit zwei Zitaten, die dem Cruisergewichtler nachgesagt werden. Nachdem Licina im Jahr 2005 – damals noch für Spotlight Boxing unter Vertrag - in einem Stallduell gegen Aleksy Kuziemski nach Punkten verloren hatte, gab es keine Zukunft mehr in dem Hamburger Unternehmen. Beim Kündigungsgespräch mit Manager Dietmar Poszwa versprach er diesem dennoch, „ich werde Weltmeister“. Und Zitat Nummer zwei hörte man nach seiner Punktniederlage im vergangenen Jahr gegen Joan-Pablo Hernandez, als er zu seinem damaligen Trainer Manfred Wolke sagte: „Ich boxe wie ich lebe“.

Bei genauerer Betrachtung treffen beide Sätze absolut ins Schwarze. Keine Frage, der in Serbien geborene Licina hat das Zeug zum Champion. Mit guten technischen Anlagen, einer gehörigen Portion Schlagvermögen und einem guten Kinn ausgestattet, ist der Sauerland Boxer ein ernstzunehmender Gegner für alle Kämpfer aus der Weltrangliste. Das Rating von boxrec.com hat ihn nicht umsonst auf einer realistischen Position fünfzehn notiert, trotz der Niederlage gegen Hernandez in seinem letzten Fight. Doch scheint ihm im vergangenen Jahr die Berufsauffassung etwas abhanden gekommen zu sein. Im Duell mit seinem Sauerland Stallkollegen ging ihm in der zweiten Hälfte des Kampfes im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus, am Ende unterlag er einstimmig nach Punkten. Licina startete im Frühjahr 2005 beim Spotlight Team seine Profilaufbahn. Als 3-0 Mann boxte er einige Monate später im oben erwähnten Kampf gegen den ebenfalls in drei Duellen unbesiegten Kuziemski – und verlor. „Ich war dem Druck nicht gewachsen“, sagte Licina rückblickend. Er wurde mehr oder weniger aussortiert und wechselte zum Berliner Sauerland Team.

Später sollen die Hamburger die Trennung als Fehler eingestuft haben. In der Tat besiegte Licina neben den üblichen Aufbaugegnern auch etwas zähere Leute wie Lukas Rusiewicz, Ismail Abdoul oder Rob Norton. Im Jahr 2008 gewann der bei Manfred Wolke trainierende Licina gegen Lubos Suda, Kendrick Releford, DeLeon Tinsley und Otis Griffin, und sicherte sich mit einem vorzeitigen Sieg über letztgenannten Fighter die IBF Inter-Continental Krone im Cruisergewicht. Diesen Gürtel verteidigte Licina im Januar 2009 spektakulär gegen den Puncher Jose Luis Herrara erfolgreich. Nach einem Niederschlag zu Beginn des Kampfes nahm Licina den Fight an und kam selbst zu einem vorzeitigen Erfolg in der achten Runde. Ein Punktsieg über Ignacio Esparza im Juni 2009 war dann allerdings weniger überzeugend.

Danach folgte im Oktober die Niederlage gegen Hernandez. Insgesamt beläuft sich die Bilanz von Licina auf 17-2 (10). Der Vertrag mit Sauerland Event lief Ende des Jahres 2009 aus, wieder schien eine hoffnungsvolle Karriere im Sand zu verlaufen. Doch Licina hat nochmal zum Angriff gerüstet. Mittlerweile trainiert er im Team von Karsten Röwer, kommt körperlich gut in Schuss. „In den Weltranglisten ist Enad weiterhin in guten Positionen. Er hat das Zeug nochmal ganz nach vorne zu kommen. Dafür muss er allerdings hart arbeiten“ sagt Sauerland Sport-Koordinator Hagen Doering.

Am 21. August wird der 30jährige im Rahmenprogramm der Huck WM in Erfurt durch die Ringseile klettern. Möglicherweise war es genau die Niederlage gegen Hernandez, die Licina in Zukunft helfen wird. Denn auf dem Weg zu einem großen internationalen Titel sollte es kein Widerspruch sein, wenn man sagt: „Ich boxe wie ich lebe“.




zurückIngo Barrabas, 14.08.2010

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