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Über Schwergewichtler Jens Krull

Das Portrait

Jens Krull (Foto: Frank Bleydorn)Jens Krull (Foto: Frank Bleydorn)

Die Geschichte über den Profiboxer Jens Krull soll mit einer Erklärung zum Kopfkino beginnen. Eine genaue Definition würde hier den Rahmen sprengen, platt gesagt, sind die meisten Dinge nicht so, wie sie erscheinen. Man nimmt etwas wahr und durch die persönliche Bewertung konstruiert man eine eigene Wahrheit, die als Film durch den Kopf jagt. Das so genannte Kopfkino ist auch Gegenstand vieler wissenschaftlicher Arbeiten.

Ein besonderer Film dürfte im Gehirn der User anlaufen, wenn man sich die Situation bildlich vorstellt, die sich Anfang Juli 2008 in Berlin-Hellersdorf ereignete. Dort stieg Schwergewichtsboxer Jens Krull vor seinem ersten Profifight von der Waage, um seinem Opponenten Pavel Durco die Hand zu reichen. Jetzt wurden die wahren Ausmaße seiner Körperdimensionen sichtbar. Beeindruckende 128 Kilogramm, verteilt auf eine Körpergröße von 2,09 Meter, ließen den Tschechen wie einen Mittelgewichtler wirken. Wer aufgrund dieser Aussagen nun Bilder von fein definierten Muskelpaketen im Kopfkino hat, liegt allerdings daneben. Das Gegenteil ist der Fall: Der heute 21jährige Krull sieht flüchtig betrachtet gar nicht aus wie ein Profiboxer, nach dem ersten Eindruck würde man auf einen zu groß geratenen Schlachter tippen. Auch der etwas tapsig wirkende Bewegungsapparat lässt eher Zweifel an der Boxtauglichkeit aufkommen. Die introvertierte Art will ebenfalls gar nicht so zu einem Berufsboxer passen. Und trotzdem läuft bei diesen Aussagen zum Boxer Krull im Kopfkino zum zweiten Mal der falsche Film.

Denn trotz dieser vermeintlichen Schwächen hat Krull, der unter der Leitung von Otto Ramin bei Eintracht Berlin trainiert, durchaus Potential. Filigrane Serien verbunden mit eindrucksvoller Beinarbeit wird man von ihm allerdings nicht erwarten dürfen, dennoch macht er aus seinen Möglichkeiten das Beste. Mit einer kompakten Deckung nutzt Krull seine Reichweitenvorteile mit dem Jab gut aus, arbeitet auch mit der rechten Schlaghand als Gerade. Das sieht einfach aus, ist aber gar nicht mal so leicht umzusetzen. Ein großer Vorteil dabei ist die ruhige Art von Krull. Er arbeitet völlig unverkrampft, die Schläge kommen locker. Bei den Amateuren hatte dieser Stil keine Perspektive. "Die Gegner brauchten nur rein springen und zwei Mal schlagen um beim Boxpointer zu punkten" so Trainer Ramin. "Jens kommt der Profistil jetzt voll entgegen." Im Gym in Berlin Hellersdorf trainiert der Schwergewichtler zwei Mal am Tag. "Jens ist fleißig, ehrgeizig und setzt viele Dinge schnell um". Das merkt man nicht nur beim Boxen, wie Ramin zu berichten weiß. So macht Krull in der Firma von Manager Harald Lange eine Ausbildung zum Bürokaufmann, sein täglicher Einsatz passt hier ebenso, wie die schulischen Leistungen.

Zunächst passten auch die Leistungen im Ring. Nach seinem erfolgreichen Debüt blieb Krull bis zum März 2010 unbesiegt. Dabei besiegte er durchaus solide Gegner. Mit Werner Kreiskott lieferte er sich im Rahmenprogramm der Abraham Simon WM im März 2009 einen unterhaltsamen Fight über die volle Distanz von vier Runden. Enrico Germandia stoppte er im Herbst vergangenen Jahres bereits in der ersten Runde. Nach acht Kämpfen hatte Krull ebenso viele Siege in seiner Bilanz. Auf der Huck Richards Undercard im März 2010 folgte der Rückschlag. Gegen den in sechs Kämpfen unbesiegten Samir Kurtagic warf Krull scheinbar alle taktischen Vorgaben über Bord, wirkte völlig verkrampft. Kurtagic agierte clever. Er sprang mit ein oder zwei Schlägen in den Mann, hielt und klammerte dann sofort. Krull schien seine Fürhand in der Kabine vergessen zu haben. Am Ende der sechs Runden sahen alle Punktrichter den Gast aus Österreich vorne. Krull kassierte seine erste Niederlage und musste einigen Spott über sich ergehen lassen. „Möglicherweise war Jens übermotiviert, die Leistungen im Training waren jedenfalls gut.“ sagt Trainer Otto Ramin rückblickend. Zur Ehrenrettung von Krull muss man sagen, dass Kurtagic wenig später auch dem viel erfahrenen Edmund Gerber das Leben sehr schwer machte – auch wenn er den auf acht Runden angesetzten Fight klar nach Punkten verlor.

Nun möchte der Ramin Schützling wieder auf die Siegerstraße zurückkehren. Sein nächster Einsatz ist im August in Erfurt. Gegner im Rahmenprogramm der Huck Godfrey WM ist Jürgen Franck, ebenfalls ein Riese. Er überragt Krull sogar noch um einige Zentimeter, 2,17 m ist seine Körpergröße. Bevor das Kopfkino hier auch wieder verrückt spielt, gleich die Information: Franck wirkt eher wie ein Basketballspieler, schlank und drahtig. Er bringt eine Bilanz von 4-2 (4) mit nach Erfurt.

Wer gewinnt das Duell der beiden Box-Hühnen? Ring frei würde man normalerweise schreiben, da wir es aber in der Geschichte über den Profiboxer Jens Krull so oft mit dem (Kopf) Kino zu tun hatten, müsste es wohl besser heißen: Film ab!




zurückIngo Barrabas, 24.07.2010

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