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Interview mit Firat Arslan

Nach der Niederlage gegen Herelius

Firat Arslan (Foto: Marianne Müller)Firat Arslan (Foto: Marianne Müller)

So hatte sich Firat Arslan sein Comeback nach fast zweijähriger Ringpause nicht vorgestellt. Im Kampf um die Interims-WM der WBA unterlag der 39-Jährige in Stuttgart dem Franzosen Steve Herelius durch technischen K.o. in der zwölften Runde. Der Universum Boxer erlitt einen Kreislaufkollaps. „Das ist schon bitter“, befand Trainer Michael Timm, „denn ich bin mir sicher, dass Firat den Kampf klar nach Punkten gewonnen hätte.“ Nachdem Herelius stark gestartet war, übernahm der Lokalmatador zusehends das Kommando und hatte das Geschehen souverän im Griff – bis zur elften Runde. Das Gespräch am Morgen danach:

Firat, Sie sind soeben aus dem Krankenhaus in das Team-Hotel zurückgekehrt und geben wieder Interviews. Wie geht es?
Danke, den Umständen entsprechend gut. Es ging mir relativ schnell wieder besser, aber ich habe die Nacht vorsichtshalber im Krankenhaus verbracht.

Was genau ist passiert?
Das war ein schwerer Kreislaufkollaps. Obwohl ich eigentlich ausreichend Wasser getrunken habe, war ich völlig dehydriert.

Woran lag das? Hast Du überpaced? War es in der Halle zu heiß?
Das weiß ich nicht, das müssen wir erst einmal in Ruhe analysieren. Ich weiß nur, dass ich topfit und bestens trainiert war.

Wie groß ist die Enttäuschung?
Die ist natürlich sehr groß. Es tut mir sehr leid für die Fans. Ich hätte ihnen gern einen Sieg geschenkt. Ich hatte mir so viel vorgenommen – und bis zu dem Abbruch lief es auch sehr gut. Ich bin mir sicher, dass ich den Kampf nach Punkten gewonnen hätte. Dann so zu verlieren, ist schon bitter. Trotzdem Glückwunsch an meinen Gegner Steve Herelius. Und mein Dank an die Fans: Ich danke allen, die am TV-Gerät und in der Halle die Daumen für mich gedrückt haben. Ihr wart ein tolles Publikum.Wie geht es jetzt weiter?Jetzt ruhe ich mich erst einmal aus. Ich weiß, dass ich den Kampf unter normalen Bedingungen gewonnen hätte. Deshalb hoffe ich auf eine Revanche.

Universum-Arzt Dr. Michael Ehnert: "Obwohl er vorher zwei Liter Wasser in der Kabine getrunken hatte, war Firat durch die Kraftanstrengung vollkommen dehydriert. Durch den erheblichen Flüssigkeits- und Mineralverlust erlittet Firat einen Kreislaufzusammenbruch. Noch im Krankenwagen wurden 4 Liter mineralische Flüssigkeit intravenös zugeführt. Dadurch konnte sein Kreislauf stabilisiert werden, eine Beatmung war nicht erforderlich, und er war noch vor Eintreffen im Krankenhaus wieder völlig klar. Zur Sicherheit wurde dort eine Computertomografie des Gehirns zum Ausschluss von Verletzungen durchgeführt. Diese zeigte keinerlei Auffälligkeiten. Obwohl er sich schon deutlich besser fühlte, rieten wir Firat zwecks besserer weiterer Überwachung, eine Nacht im Katharienenhospital zu bleiben."

Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl: "Firat hat wieder seinen unbändigen Willen gezeigt und ist über seine Grenzen gegangen. Er hätte noch weiter boxen wollen, aber es war richtig, abzubrechen. Ihm geht es jetzt wieder deutlich besser. Schade, dass seine tolle Arbeit nicht belohnt wurde. Er hatte Herelius in der siebten Runde am Rande des Knockouts. Firat kann sehr stolz auf sich sein. Vielen Dank auch an das Stuttgarter Publikum. Ihr habt Ina und Firat toll unterstützt. Aber so ist das nun mal: Verlieren gehört im Sport auch dazu."

Trainer Michael Timm: "Ich hatte gesehen, dass die Runde nur noch wenige Sekunden ging. Wenn das anders gewesen wäre, hätte ich schon früher abgebrochen. Ich habe gesehen, dass er beim Zurückkehren in die Ecke schon nicht mehr Herr seiner Sinne war. Da geht die Gesundheit des Boxers vor. Es gibt auch noch ein Leben nach dem Sport. Das darf man bei allem Ehrgeiz nie vergessen. Dass Firat nicht aufgeben wollte, ist typisch für ihn. Er ist ein großer Kämpfer mit großem Herz. Er hat seine Sache bis dahin ganz toll gemacht."



zurückIngo Barrabas, 05.07.2010

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