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Über Werner Kastor

Das Portrait

Werner Kastor (Zeichnung: Anna Morgan)Werner Kastor (Zeichnung: Anna Morgan)

Der Eurosport-Kommentator Werner Kastor schafft es seit Jahren die Fans in zwei Lager zu spalten. Die einen würden ihn am liebsten auf den Mond schießen, halten seine Art der Kommentierung für fachlich unterirdisch, die andere Gruppe zieht die Umschreibung unkonventionell vor und liebt Kastors unverwechselbare Sprüche. Kurz gesagt, Kastor polarisiert. Seine Kritiker raufen sich die Haare, wenn Kastor während der Übertragungen Boxer verwechselt, Titel durcheinander bringt, oder andere Fakten falsch wiedergibt - und gar keine Probleme hat diese Dinge dem Zuschauer zu beichten. Doch selbst die größten Kritiker von Kastor müssen zugeben, seine Berichterstattung ist kurzweilig, die Zitate sind originell und unterhaltsam.

Im Internetzeitalter blieben diese nicht lange auf die Zuschauer vor den Bildschirmen beschränkt. Das World Wide Web machte Kastor schließlich endgültig zur Kultfigur. Von den Usern der Plattform boxingpress.de wurde Kastor mehrmals zum besten Kommentator gewählt, bei Sportforen.de werden im Werner-Kastor-Sprüche-Thread die Highlights seiner Kommentare aufgelistet. Kastor, der als Jugendlicher für Dynamo Berlin durch die Ringseile kletterte, arbeitete 20 Jahre als politischer Journalist  für die BBC, ehe er Ende der 80er Jahre mit seinem Engagement bei Screensport die damals überschaubare europäische Box-Berichterstattung mit prägen sollte. Das war damals aber noch gar nicht absehbar.

Es war die Zeit der Veränderungen. Die Welt drehte nicht nur auf dem politischen Parkett Pirouetten, auch medientechnisch gab es einen gravierenden Umbruch. Vorbei waren die Zeiten von wenigen öffentlich-rechtlichen Programmen. Privatkanäle ergänzten das Angebot über Kabel oder Satellit. In diesem Zeitraum wurde Screensport in die Kabelnetze eingespeist. Mit der Aufschaltung auf Astra 1A im Jahr 1989 begann schließlich das paneuropäische Programm. Screensport, das nach der Umbenennung in The European Sports Network als Marke dennoch erhalten blieb, strahlte in vier Sprachen aus und wurde in Deutschland unter dem Namen Sportkanal bekannt.

Dort pushte Promoter Barry Hearn Snooker und Boxen, mit Werner Kastor als Kommentator. Hearn war ein innovativer wie geschäftstüchtiger Promoter. Er inszenierte Boxabende als Spektakel, definierte z.B. den Einlauf der Boxer neu und baute ihn als Walk-In mit in die Kampfberichterstattung ein. Die Fans, die diese spannende Ära miterlebt haben, dürften sich noch gut an die Live Kämpfe von Chris Pyatt, Mickey Hughes, Michael Ayers oder Darren Dyer erinnern, von den Schlachten der Recken Chris Eubank, Nigel Benn und Michael Watson mal ganz abgesehen. Schon damals fiel Kastor mit seiner ganz eigenen Art der Berichterstattung auf. Er beschränkte sich während der Aktionen der Boxer auf ein Mindestmaß an Kommentaren, erwähnte aber scheinbar Nebensächliches und würzte die Übertragungen mit Meinungen zu dem Outfit der Boxer, dem Kampfnamen und natürlich den Nummerngirls. „In England ist die Sport-Berichterstattung völlig anders aufgebaut, als in Deutschland.“ führt Kastor aus. „Beim Tennis spricht in England während des Ballwechsels kein Reporter. Da ist absolute Funkstille, weil man den Zuschauer für so kompetent hält, dass er in der Lage ist das Gesehene richtig einzuordnen. In Deutschland quasseln die Leute ununterbrochen und versuchen ihre Sichtweisen dem Zuschauer mehr oder weniger aufzudrängen“ so der Berliner weiter.

Im Januar 1993 fusionierte der Sportkanal mit Eurosport, der Sendebetrieb des Sportkanal wurde zum 28. Februar 1993 eingestellt. Kastor wechselte im selben Jahr zu Eurosport. Dort kommentiert er seit mehr als einem Jahrzehnt Boxkämpfe. Live oder aus einem der Studios, vorzugsweise in Berlin oder London, wo Kastor jeweils mehrere Monate im Wechsel lebt. Bei seiner Berichterstattung redet er oft Klartext, kritisiert deutlich wenn die Leistung nicht stimmt, die Boxer untrainiert durch die Ringseile klettern, oder einfach lustlos agieren. Kastor ist es gleich, ob es sich bei den Leuten um Aufbaugegner oder Ranglistenboxer handelt. Ihm geht es ums Prinzip. Und er spricht in diesem Zusammenhang über seinen einzigen Kritikpunkt. „Ich werde oft von Veranstaltern und Managern angesprochen, warum ich so hart über ihre Leute urteile. Das würde ihren Boxern schaden. Ich würde damit ihre Ware abwerten. Dabei denken diese Leute einfach viel zu kurzfristig. Denn nur wenn ich Kritik übe, bleibe ich glaubwürdig und helfe doch damit in letzter Konsequenz auch den Managern, glaubwürdig zu bleiben. Es ist doch sinnlos, als >Hauskommentator< Schönfärberei zu betreiben, das merken doch die Leute.“ So Kastor, der in den vielen Jahren seiner Arbeit als Kommentator so ziemlich alles im Ring gesehen, was man sich vorstellen kann. Von unglaublichen Ringschlachten bis zum schlimmsten Missmatch war alles dabei.

Besonders gern erinnert sich Kastor, der vor einigen Jahren zusammen mit Geschäftspartnern selbst Veranstaltungen im Berliner Boxtempel organisierte, an die Sportkanalzeit Anfang der 90er Jahre zurück. „Wer Typen wie Chris Eubank oder Nigel Benn live erleben konnte, wird verstehen was ich meine. Dazu kam die unglaubliche Euphorie, die diese Boxer damals auslösten“, so Kastor. Er prägte diese Ära für die Zuschauer mit. Ob als Kultfigur oder nervender Kommentator, das kommt auf das jeweilige Lager an. Womit man wieder am Anfang der Geschichte ist und sich der Kreis schließt: Werner Kastor polarisiert.



zurückIngo Barrabas, 02.05.2010

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